Wir hören seit einiger Zeit viel über frostige Zeiten aus der Schweiz und so geniessen wir in Spanien noch ein wenig die frühlingshaft angenehmen Temperaturen.
In Málaga wollen wir den letzten Tag des Jahres feiern, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... die Restaurants machen zu unserem grossen Erstaunen - oder eher Entsetzen - alle schon am späten Nachmittag zu, aber wir haben Glück und sichten im kühlen Nieselregen die offene Tür eines irischen Pubs und zelebrieren das Silvester Gala Dinner mit einem Hamburger und einigen Bieren bis wir dann auch in diesem Lokal nur noch von aufgestuhlten Tischen und putzendem Servicepersonal umgeben sind. Und deshalb trotten wir schon bald durch die entleerte Altstadt in unser Hotel, erfreuen uns als Abschluss an einem Film und versinken zwischen Neun und Zehn Uhr in einen friedlichen Tiefschlaf und verpennen so die Nacht der Nächte.
Wir haben erfahren, dass die einzige Schwester die uns in Südamerika nie besuchen konnte zur Zeit in Dénia in den Ferien weilt. Was liegt also näher als Christa und Ueli mit einem Kurzbesuch zu überraschen. Mit einem Tag Verspätung kommen wir nun doch noch zu einer langen und strengen Nacht und weils so schön war leisten wir uns noch eine Zweite :-)
Das Wetter 2011 zeigt sich von seiner besten Seite und so fällt es uns nicht schwer zwischen den langen Spaziergängen auch die vielen Strassenbeizen in Barcelona ausgiebig zu testen. Zum Jamón Ibérico und Queso Manchego sagen wir ebenso wenig nein wie zu den vielen leckeren Tapas-Plättchen und dem dazu passenden Gran Reserva. Aber wir kommen auch nicht an den architektonischen Köstlichkeiten von Antoni Gaudí vorbei und erfreuen uns an dessen runden Ecken und farbigen Figuren von der ewigen Baustelle der Kathedrale Sagrada Familia über den grosszügigen Park Güell bis ins fantasievolle Casa Batlló.
Obwohl wir das Abreisedatum unserer letzten Fahrt immer wieder hinausschieben, sitzen wir schon bald in einem Bus Richtung Polen, kurz vor der Schweizer Grenze beginnt es zu pissen und wir fahren im strömenden Regen über Genf, Lausanne, Bern und Basel nach Zürich und fühlen uns im feuchten und grässlich kalten Nass schon fast wieder heimisch. Aber es fliesst immer noch etwas Reiseblut in unseren Adern und so übernachten wir direkt beim Busbahnhof im Hotel Montana wo wir mit einem herzlichen "Grüezi" empfangen werden.
Unsere letzten Reisebatzen haben uns nach zwei Jahren wieder zurück nach Zürich gebracht und wir sind überglücklich den grössten Teil unserer Familienmitglieder gesund und munter anzutreffen. Wir blicken zurück auf eine unvergessliche Zeit in Südamerika mit imposanten Landschaften, eindrücklicher Natur, vielen tollen Begegnungen und spannenden Einblicken in fremde Kulturen. Dieses gemeinsame Abenteuer ist etwas vom Gewaltigsten und Schönsten das wir je erlebt haben und wir sind unendlich glücklich, dass wir diesen Schritt ins Ungewisse wagten. Dass uns unsere Familien und Freunde in unserem Vorhaben unterstützten und einfach ziehen liessen ist nicht selbstverständlich, dafür bedanken wir uns von ganzem Herzen.
Zum Abschluss möchten wir noch ein paar Zahlen aus unserer garantiert selber gefälschten Statistik loswerden.
In den 640 Tagen ausserhalb der Schweiz unterwegs:
- bereisten wir folgende Staaten und Gebiete: Deutschland, Holland, Dominikanische Republik, Panama, Chile, Argentinien, Peru, Bolivien, Falklandinseln (GB), Südgeorgien (GB), Antarktische Halbinsel, Uruguay, Brasilien, Ecuador, Kolumbien, Trinidad und Tobago, Französisch-Guayana (F), Spanien und Frankreich
- weilten wir am längsten in Argentinien, insgesamt 176 Tage, dafür nur an einem einzigen Tag in Holland, der Dominikanischen Republik und in Frankreich
- verbrachten wir die Nächte in total 126 verschiedenen Hotels, aber auch 30 Nächte in einer Hängematte oder im Zelt und versuchten 20 mal in einem Bus zu schlafen
- fuhren wir nur zweimal Fahrrad, doppelt soviel mit dem Zug, flogen mit 11 Flugzeugen 5 Destinationen an und verbrachten 28 Tage hoch zu Ross
- lebten wir 117 Tage an Bord von verschiedenen Schiffen, an 131 Tagen sassen wir in mindestens einem Bus und 253 mal brachte uns ein Taxi meistens an den richtigen Ort
- stiegen wir bei einer der 143 Wanderungen bis auf 5'000 Meter Höhe über Meer und mit Flossen und Taucherbrille sanken wir auch schon auf minus 2 Meter
- warteten wir 204 Stunden, den grössten Teil davon auf einem der vielen Busbahnhöfe
- überquerten wir den Äquator unzählige Male, 3 Mal per Bus, 7 mal per Schiff und 100-fach zu Fuss in Mitad del Mundo
- flogen wir ungefähr 10'000 Kilometer, fuhren auf Flüssen und hoher See über 36'000 Kilometer bei bis zu Windstärke 10 und bewiesen unser Sitzleder auf über 45'000 Kilometer in insgesamt 159 Bussen
- verloren wir 1 Kamera, 1 Lederjacke, ein paar Lesebrillen und unzählige Schweisstüchlein, im Gegensatz dazu wurden uns nur wenige Reais und zwei Wecker gestohlen
- begleitete uns im Gepäck eine Schnuregiige und war als einziger Gegenstand nie in Betrieb
- wurde dies alles und mehr in 4 Tagebüchern und auf 850 Seiten handschriftlich festgehalten und an 65 Tagen arbeiteten wir für die 28 Reiseberichte auf www.2encamino.ch.